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Handke sorgt für ''Klopapier''-Eklat

oe24
11.02.2020


Handke sorgt für ''Klopapier''-EklatWährend die internationale Fragerunde mit Olga Tokarczuk nach 18 Minuten zu Ende war, hatte Handkes Auftritt die Dramaturgie eines spannenden Theaterstücks.
Mit einem von Journalisten angestimmten Ständchen zu seinem 77. Geburtstag hat am Freitag die Pressekonferenz mit dem österreichischen Literaturnobelpreisträger Peter Handke in Stockholm begonnen, mit einer Schelte gegen angeblich dumme und ignorante Fragen hat sie geendet: Der Auftakt zu Handkes Nobelpreiswoche hatte die Dramaturgie eines spannenden Theaterstücks.

Der Andrang in der Schwedischen Akademie hielt sich heute in Grenzen: Rund 70 internationale Journalisten und etwas über ein Dutzend Fernsehkameras erwarteten die beiden Laureaten, die sich nacheinander den Fragen stellten. Zunächst beantwortete Olga Tokarczuk auf Polnisch (mit englischer Übersetzung) bereitwillig Fragen nach der mit einem Teil des Preisgelds von ihr gegründeten Stiftung, die sich offenbar einem breiten Feld widmen soll, das von der Förderung der Arbeit von Literaten und Übersetzern bis zu Ökologie und Tierrechtsfragen reicht. Auch die politische Situation in Polen und die Tatsache, dass sie erst als 15. Frau den Literaturnobelpreis erhalte, erhielt Raum. Nach nur 18 Minuten war die Fragerunde zu Ende, und Tokarczuk verlieh ihrer Freude Ausdruck, dass sie in ihrem Leben nun bereits die vierte in Polen lebende Person sei, die mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde - ein Beweis dafür, dass vielleicht doch nicht Kohle oder Schwerindustrie, sondern Literatur das Außenbild des Landes präge.

Nach einer kurzen Pause dann Peter Handke. Auf den Verweis, der Preisträger feiere eben heute seinen Geburtstag, bekam er spontan ein mehrstimmiges "Happy Birthday" zu hören und bedankte sich mit "Tak, tak". Erst langsam tasteten sich die Fragen an das Minenfeld der wieder ausgebrochenen Debatte um seine Haltung zu Jugoslawien und Serbien heran. Nein, der Nobelpreis werde sein Schreiben sicher nicht verändern, und nein, er habe - bis auf eine Zeichnung bei einem Museumsbesuch - in Stockholm noch keine Eintragungen in seine legendären Notizbücher gemacht, beantwortete Handke, der die gesamte Pressekonferenz auf Englisch absolvierte, diesbezügliche Fragen.

Als eine schwedische Journalistin erstmals den Themenkomplex Jugoslawien ansprach, entzog sich Handke sofort: "Das ist eine sehr lange Geschichte. Diese Geschichte noch einmal zu erzählen ist, denke ich, hier nicht der richtige Moment." Wie er auf die angekündigten Proteste bei der Verleihung reagieren werde, wollte "Dagens Nyheter" wissen: Er wisse es nicht, "sagen Sie es mir! Vielleicht brauche ich Ihren Rat." Die neulich im Interview angedeutete mögliche "Geste der Versöhnung" präzisierte der Autor auf APA-Nachfrage so: Er habe die "idealistische Idee" gehabt, sich unter Vermittelung eines bosnischen Freundes mit zwei Müttern zu treffen, die beide ihren Sohn im Krieg verloren hätten - eine von der serbischen und eine von der muslimischen Seite. Dies habe leider nicht realisiert werden können.
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