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13.05.2026 ()


mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG / Schlagwort(e): Sonstiges
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13.05.2026 / 09:00 CET/CEST
Für den Inhalt der Mitteilung ist der Emittent / Herausgeber verantwortlich.
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*Electricity Loading…*

*Kapitalmarkt-Standpunkt von Kai Jordan, Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG*

Im üppig besetzten deutschen Sprichwortschatz heißt es: *Alles Neue bringt der Mai (und eben nicht der Merz)*.

Wir leben in einer geopolitisch fragilen und schwierigen Zeit. Wir versuchen aufzurüsten, aber in der *Energiepolitik* verhält sich die *Bundesregierung* am Rand des *Dilettantismus* – insbesondere der Bundeskanzler und seine Wirtschaftsministerin Reiche zeichnen sich hier aus. Bisher stand Strom- und Klimapolitik in engem Zusammenhang. Die Abkehr von fossilen Brennstoffen ist gleich das Erreichen der Klimaziele – monothematisch. *Strom* ist aber in der heutigen Zeit kein technisches Nebenthema mehr, sondern *Macht-, Preis- und Industriethema*. Wer die Stromsysteme beherrscht, beherrscht künftig Wachstum, Industrieansiedlung und Wettbewerbsfähigkeit. Deutschland braucht in dieser Zeit eine Regierung, die Architektur baut. Stattdessen liefert Merz große Worte seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr und Reiche kleinteilige Reaktionen. Sie ist damit beschäftigt, Eigen-PR zu betreiben – für rund 12 Mio. Euro. *Scholz war ein schlechter Kanzler, aber ist Merz überhaupt einer?* Hier liegt das Problem: zu viel PR, zu viel Ankündigung.

Deutschland hat bei den *Erneuerbaren* – Habeck sei Dank – sichtbar aufgeholt. Aber der Ausbau hat kein System. Die eigentlichen *Engpässe liegen bei Netzen, Speichern, Redispatch, Flexibilität, Industrieanschlüssen* und nicht zuletzt in der *Preislogik*. Genau hier müsste Reiche führen, aber Lobbyisten scheinen die Macht übernommen zu haben. *Reiche* verwaltet diese Schwächen eher, als dass sie sie strategisch löst – eine *Ministerin der Halb-Logik*, im allerbesten Fall. Sie reagiert auf Preisaufregung, setzt aber keine strukturelle Logik. Wer gleichzeitig Erneuerbare bremst, Speicher nicht entschlossen priorisiert und beim Netz nur verwaltet, verschärft die Integrationskrise.

*Merz* ist der *Meister des Pathos*. Er ist der Meister der Halb-Architektur. Er versucht, die *Energiefrage rhetorisch* als große Standort- und Wachstumsfrage zu besetzen. Das wäre legitim, wenn daraus eine kohärente Linie entstünde. Seine Nordsee-Rhetorik klingt groß – ändert aber nichts an den Engpässen. Unter Merz entsteht der Eindruck einer Regierung, die senden will, bevor sie gebaut hat. Aber Zeit ist ein knappes Gut.

Die neue *Energiefrage* lautet nicht mehr: fossil oder erneuerbar? Sie lautet*: Was kommt additiv schnell genug ans Netz*? Künstliche Intelligenz, Rechenzentren, Elektrifizierung und Industrieumbau treiben den Strombedarf in eine neue Größenordnung. Die *IEA* erwartet nahezu eine *Verdopplung des globalen Rechenzentrumsstromverbrauchs bis 2030*. Europa läuft in dieselbe Richtung. Damit wird Energiepolitik endgültig zur Kapazitätspolitik. Wer jetzt glaubt, man könne mit einer einzigen Quelle, einer einzigen Technologie oder einer einzigen politischen Erzählung durch diese Stromkurve kommen, verwechselt Klimapolitik mit Wunschzettelökonomie. Entscheidend wird ein *belastbarer Mix*: Erneuerbare, Netze, Speicher, flexible Gaskraftwerke, perspektivisch Wasserstoff, in manchen Ländern Kernkraft – und vor allem Tempo.

*KI beendet die Epoche der energiepolitischen Entweder-oder-Sätze*. Die Zukunft ist nicht singulär, sondern additiv. Wer Stromverbrauch exponentiell digitalisiert, kann Stromerzeugung nicht ideologisch verengen.

*Made in Germany ist massiv in Gefahr*. Deutschland diskutiert, China installiert. China ist strategisch stringent. Es baut Solar, Wind, Netze, Speicher, Batterien und E-Mobilität in industrieller Größenordnung. Kohle bleibt als Sicherheitsanker im System. Das neue Energiesystem wird parallel physisch aufgebaut. Während Reiche noch am deutschen Engpassmanagement arbeitet, baut *China längst die materielle Infrastruktur der nächsten Stromordnung – baut Standortvorteile physisch*. (S. auch https://www.mwbfairtrade.com/de/aktuelles/newsdetail-de/news/china-loading/)

Aber überholt uns nur China rechts?

*Spanien* bietet einen Strommix, der zeigt, wie Ausbau und Realität zusammenfinden. Ein hoher Anteil an Erneuerbaren kann real funktionieren und so zum Standortvorteil werden. Wind, Solar und Wasserkraft liefern dort eine deutlich robustere Ausgangslage als in Deutschland. Spanien ist kein Wunderland, aber ein *Gegenbeleg zu deutschem Selbstmitleid*.

*Schweden und Finnland* zeigen, wie Energiepolitik aussieht, wenn Klima und Industrie zusammengedacht werden: nahezu CO₂-freier Strom, getragen von Wasserkraft, Kernkraft und Wind, zu Preisen, von denen deutsche Unternehmen nur träumen. Dort ist *sauberer Strom* kein politisches Schaufenster, sondern *Standortfaktor*. Deutschland diskutiert Brückenstrompreise; der Norden liefert sie faktisch.

*Frankreich* ist energiepolitisch nicht elegant, aber im *Strommix brutal wirksam*: viel Kernkraft, wenig fossile Erzeugung, ein weitgehend CO₂-armer Sockel für Industrie, Rechenzentren und Elektrifizierung. Deutschland hat die Kernkraft abgeschaltet und muss Kohle, Gas, Netze, Speicher und Erneuerbare gleichzeitig sortieren. Frankreich hat den härteren Industriestrommix.

*Dänemark* zeigt, wie weit Wind und Solar ein Stromsystem tragen können; *Norwegen* zeigt, was fast vollständig sauberer Wasserkraftstrom für Standortqualität bedeutet. Beide sind Sonderfälle – klein, ressourcenstark, eng eingebunden in Nachbarmärkte. Aber als Kontrast zu Deutschland wirken sie brutal*: Der Norden diskutiert nicht* ewig über sauberen Strom, er produziert ihn.

Electricity is loading – und *Berlin kommt nicht aus dem Quark*. Gefährlich für den Standort Deutschland ist die Kombination aus Merz-Pathos und Reiche-Halb-Logik. Reiche ist das operative Problem, Merz ist das politische Dach dieses Problems. „Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät?"

*Zu mwb:*

Die mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG ist ein von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zugelassener Wertpapierdienstleister mit Niederlassungen in Gräfelfing bei München, Hamburg, Hannover, Frankfurt und Berlin. Das Unternehmen wurde 1993 gegründet. 1999 erfolgte der Börsengang. Heute ist die mwb-Aktie (ISIN DE000A3EYLC7, WKN A3EYLC) an der Börse München im Segment m:access notiert wie auch im Freiverkehr an den Börsen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt (Basic Board), Hamburg und Stuttgart. Unsere Dienstleistungen umfassen Emissionsberatung & Listings, Zahlstellenfunktion, Designated Sponsoring und institutionelle Kundenbetreuung. Im Wertpapierhandel betreut mwb gut 46.000 Orderbücher für deutsche und internationale Wertpapiere. Dabei handelt es sich sowohl um Aktien als auch um festverzinsliche Wertpapiere und offene Investmentfonds. Damit ist mwb einer der größten Skontroführer in Deutschland.

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